Consent entscheidet über die Wirksamkeit von CRM
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Autor/in: Katharina Drechsler
Lesezeit: ca. 6 Minuten
Veröffentlichungsdatum: 02. April 2026Letztes Update:
Themen: CRM, Customer Data, Consent Management, Datenschutz, Customer JourneyRichtet sich an: Head of CRM, Head of Marketing, CDO, Vertriebsverantwortliche
Kurzzusammenfassung
- Consent entscheidet darüber, ob Kundendaten im CRM wirkungsvoll eingesetzt werden können. Ohne saubere Einwilligungslogik bringt selbst eine gute Datenbasis keinen Effekt.
- Die eigentliche Herausforderung liegt in der operativen Nutzbarkeit über Systeme und Kanäle hinweg, nicht in der formalen Erhebung.
- Inkonsistente Ansprache wirkt sich direkt auf Conversion, Effizienz und Markenwahrnehmung aus.
- Der größte Hebel liegt in der strukturellen Verbindung von Consent, Daten und Kontaktlogik. Erst dann entsteht echte Wirkung im CRM.
CRM scheitert nicht am Tool, sondern am Einwilligungsmanagement
Ohne Consent bleibt CRM wirkungslos
97 Prozent der Unternehmen in Deutschland bewerten den Datenschutzaufwand als hoch oder sehr hoch. 77 Prozent sagen, dass Datenschutz die Digitalisierung bremst. Das ist keine juristische Randnotiz. Das ist eine operative Realität, die direkt in CRM, Marketing und Vertrieb hineinwirkt. (Quelle: Bitkom e. V.)
Consent steht deshalb vor jeder anderen Überlegung zu Personalisierung, Automatisierung oder Kampagnenlogik. Liegt keine gültige Einwilligung vor oder ist sie im Prozess nicht sauber verfügbar, können Kundinnen und Kunden nicht angesprochen werden. Dann verlieren vorhandene Daten ihren Wert, noch bevor überhaupt über Zielgruppen, Trigger oder Journeys gesprochen wird.
Wenn Leads da sind, aber nicht genutzt werden können
Consent wird in Organisationen häufig als Compliance-Thema behandelt. Als etwas, das formal geklärt sein muss, während Marketing, Vertrieb und Service das eigentliche Kundengeschäft steuern. Genau diese Trennung wird in der Praxis zum Problem.
Dieses Thema wird oft erst dann ernst genommen, wenn ein Lead da ist, aber nicht weiterverarbeitet werden darf. Genau dann wird sichtbar, dass Consent nicht nur ein formaler Haken im Prozess ist. Er entscheidet ganz konkret darüber, ob aus einem erfassten Kontakt überhaupt ein bearbeitbarer Lead wird. Und da sehe ich einen der Punkte, an denen Unternehmen Wert verlieren, ohne dass es sofort auffällt.
Die eigentliche Herausforderung liegt in der Nutzbarkeit von Consent
Aus meiner Sicht wird Consent oft zu stark aus der Dokumentationslogik heraus gedacht. Im Projektalltag zeigt sich aber, dass die eigentliche Herausforderung in der Nutzbarkeit liegt. Also in der Frage, ob die Einwilligung im richtigen Moment, im richtigen System und für den richtigen Kanal verfügbar ist.
Das wird besonders deutlich, wenn Consent über mehrere Touchpoints entsteht. Ein Kunde stimmt im Geschäft dem Newsletter zu, gibt zwei Wochen später auf der Website erneut ein Opt-in ab und wird kurz darauf vom Vertrieb nach seiner E-Mail gefragt. Drei Erfassungsmomente, drei Kanäle. Wenn diese Daten nicht konsolidiert vorliegen, ist unklar, welche Einwilligung gilt, für welchen Kanal sie erteilt wurde und ob sie noch aktuell ist.
Genau in diesem Moment beginnt ein CRM Steuerbarkeit einzubüßen. Consent-Daten liegen dann verteilt im Newsletter-Tool, im CRM oder in einer Vertriebsanwendung, aber nicht in einer Form, die konsistente operative Entscheidungen ermöglicht. Systeme müssen erkennen können, wer über welchen Kanal angesprochen werden darf. Fehlt diese Logik, ist Consent reine Formalität ohne Wirkung.

Warum unkoordinierte Kommunikation Vertrauen kostet
Sobald Kanäle nicht sauber orchestriert sind, kippt Kommunikation in Unruhe. So erreichen den Kunden nacheinander Botschaften, die keine abgestimmte Linie erkennen lassen. Der Kunde erhält zum Beispiel morgens eine Rabatt-E-Mail für ein Produkt und wird am Nachmittag vom Vertrieb angerufen, der nichts von dem Angebot weiß.
Genau solche Situationen wirken intern oft wie ein Abstimmungsproblem zwischen Kanälen. Aus Kundensicht sind sie deutlich gravierender. Der Kunde nimmt nicht wahr, warum diese Brüche entstehen. Er erlebt nur, dass die Marke offenbar kein Gefühl dafür hat, wann welcher Kontakt wirklich passend ist. Und genau das schwächt Vertrauen oft schneller, als intern angenommen wird.
Die Erwartungshaltung auf Kundenseite ist längst klar. Jede zweite Person in Deutschland wünscht sich einheitliche Einkaufserfahrungen über alle Kanäle hinweg. Gleichzeitig zeigen IFH Köln, Google und HDE, dass zwischen dieser Erwartung und der tatsächlichen kanalübergreifenden Realität vieler Anbieter eine deutliche Lücke besteht. (Quelle: IFH KÖLN)
Diese Lücke ist teuer. Sie kostet Vertrauen, Wiederkaufwahrscheinlichkeit und Effizienz im Einsatz von Marketing- und Vertriebsressourcen. Adobe zeigt, wie empfindlich die Wirkung auf die Marke ist: 67 % der Verbraucher halten es für wichtig, dass Marken ihre Inhalte automatisch an den aktuellen Kontext anpassen. Wenn Marken dies nicht tun, ärgern sich 42 % der Verbraucher darüber, dass die Inhalte nicht personalisiert sind. (Quelle: Adobe)
Der wirtschaftliche Schaden beginnt lange vor dem Bußgeld
Schlechtes Consent‑Management birgt erhebliche Risiken und bleibt nicht ohne Folgen. Die DSGVO sieht je nach Verstoß Bußgelder von bis zu 10 Millionen Euro oder 2 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes vor, bei schwerwiegenderen Verstößen bis zu 20 Millionen Euro oder 4 Prozent. Hinzu kommen Abmahnungen und Reputationsschäden.
Die bedeutendere wirtschaftliche Dimension liegt jedoch woanders. Sie ist dort, wo vorhandene Daten nicht vollumfänglich genutzt werden können. Dann werden Leads nicht weiterverarbeitet, Zielgruppen zu breit angesprochen und Kampagnen nicht nach gemeinsamer Logik priorisiert. Der Verlust entsteht nicht spektakulär. Er entsteht im täglichen Geschäftsbetrieb und kumuliert sich.
Wie stark der positive Hebel sein kann, zeigen aktuelle Zahlen. 54 Prozent der Deutschen haben bereits mindestens einmal ein Produkt online gekauft, nachdem sie personalisierte Werbung gesehen oder gehört haben. 44 Prozent sind deswegen sogar in ein stationäres Geschäft gegangen. Gleichzeitig weist die Bitkom-Studie für digitales Marketing in Deutschland einen Return on Advertising Spend von 2,50 Euro Umsatz pro investiertem Euro aus. (Bitkom e. V.)
Die Konsequenz liegt auf der Hand: Blockieren unklare Einwilligungen, Datensilos oder Abstimmungsdefizite die Nutzbarkeit, verliert ein eigentlich starker Hebel massiv an Durchschlagskraft.
Die Lösung ist strukturell, nicht technologisch
Wer dieses Problem lösen will, braucht mehr als nur ein Tool. Rein technologische Antworten greifen hier zu kurz. Entscheidend ist eine end-to-end gedachte Logik. Ein gemeinsames Verständnis darüber, wie Einwilligung, Leadprozess und Ansprache zusammenhängen.
- Welche Einwilligung wird an welchem Touchpoint erhoben?
- Wie wird sie gespeichert und aktualisiert?
- Wie wird sichergestellt, dass sie an den zentralen Stellen wie Vertrieb, Kampagnenmanagement und Service konsistent verfügbar ist?
- Und wie wird verhindert, dass einzelne Kanäle ihre eigene Kontaktlogik entwickeln?
Der eigentliche Wert entsteht in der Nutzung der Daten
Der eigentliche Hebel liegt aus meiner Sicht nicht in noch mehr Daten, die Datenbasis ist häufig vorhanden. Der Business Impact entsteht durch die bessere Nutzbarkeit der vorhandenen Daten. Genau dort steckt in gewachsenen CRM-Strukturen oft deutlich mehr Potenzial, als zunächst sichtbar ist. Denn sobald Daten, Einwilligungen und Kontaktlogik sauber zusammenspielen, verbessert sich nicht nur die Ansprache. Leads werden sauberer weiterverarbeitet, weil klar ist, was genutzt werden darf und wie der nächste konsequente Schritt aussieht. Kampagnen greifen besser ineinander, statt parallel zu laufen. Und aus Kundensicht entsteht ein konsistentes Erlebnis. Das gesamte Setup wird steuerbarer und die Wirkung von CRM spürbar.
Diese Wirkung ist keinesfalls abstrakt. Zwei Drittel der Unternehmen schöpfen das wirtschaftliche Potenzial ihrer Daten bisher nicht aus. (Quelle: Bitkom e. V.)
Fazit: Am Ende entscheidet Consent über den Business Impact von CRM
Consent ist kein rein regulatorischer Prüfpunkt am Rand des CRM. Consent entscheidet darüber, ob Kundendaten überhaupt in geschäftliche Wirkung übersetzt werden können.
Die zentrale Management-Frage lautet deshalb nicht, ob Consent formal sauber umgesetzt ist. Sie lautet, ob Consent im Unternehmen so organisiert ist, dass aus Kundendaten konsistente, wirksame und wirtschaftlich relevante Kundenansprache entsteht. So werden vorhandene Daten zu einem steuerbaren Asset. Und damit steigt die Relevanz in der Ansprache, Streuverluste sinken und CRM wird vom Infrastrukturthema zum Werttreiber.
Über Katharina
Katharina Drechsler ist Principal Consultant für Customer Data und CRM bei DEFACTO. Sie begleitet Unternehmen dabei, ihre Daten-, Consent- und Kampagnenlogiken so aufzusetzen, dass Kundendaten im operativen Geschäft tatsächlich nutzbar werden. Ihr Fokus liegt auf der intelligenten Verbindung von Daten, Prozessen und kanalübergreifender Kundenansprache. In ihrer Projektarbeit zeigt sich immer wieder, dass die größte Herausforderung nicht in der Datenerhebung liegt, sondern in der konsistenten Nutzung über Systeme und Touchpoints hinweg.
Ihr Ansprechpartner

FAQ: Consent im CRM richtig nutzen
Consent ist die Grundlage dafür, ob und wie Kundendaten im CRM genutzt werden können. Die folgenden Fragen und Antworten zeigen die wichtigsten Zusammenhänge, von den Grundlagen bis hin zum konkreten Business Impact.


